JUST A DIARY Katharina Middendorf’s Blog

18. Januar 2014

Der Gesang des Ganges.

Filed under: just.india,just.life — just a diary @ 1390045793GMT+0000C

Dies ist eine wahre Geschichte. Ich habe sie noch nicht erzählt, weil ich sie selbst bis gestern Abend nicht so richtig glauben konnte.

Am 26.03.2013 als Julian überging, saß ein Mann in Rishikesh am Ganges. Er blickte in die Weite, in den Wind und stellte eine für ihn unabdingbare Frage, die sein weiteres Leben betraf. Er hatte dies schon öfter getan – doch dieses Mal kam eine ungewöhnlich klare und weiche Antwort, mit der er nicht gerechnet hatte. Von einer Stimme, die er nicht kannte, aber die ihm vertraut war.

Mit dieser Antwort im Gepäck reiste der Mann zurück nach Deutschland. Nicht wissend, was er mit der Antwort machen sollte. Bis ihn diese Stimme weiterführte. Direkt zu mir.

Und so begannen wir zu sprechen. In einer Sprache, die die Stimme vom Ganges zu Lebzeiten nicht zu sprechen vermochte. Meine innere Schwärze brach auf, mein Herz öffnete sich – es schien, als hätte Julian einen Weg gefunden, mich zu begleiten – in einer Art und einer Sprache, die ich verstehe. Um mir in einer Art Brücke zwischen den Welten zu zeigen, wie ich lerne loszulassen. Durch den Mann aus Rishikesh.

Und so wurde dieser fremde Mann aus Rishikesh der Begleiter meines Herzens in der schwersten Zeit meines Lebens. Wir wurden Freunde. Gefährten. Eine sanfte Begegnung, die mich immer wieder rettete und führte. Über Monate. Bis gestern.

Ich ging gestern kurz nach 23 Uhr in den Keller, wo dieser Mann eine Kiste für mich aufbewahren ließ, die ich an meinem Geburtstag öffnen sollte. Ich hatte Angst. Es war eine Metallkiste aus Indien. Aus Rishikesh. Ich trug die Kiste in meine Wohnung, öffnete sie und wusste, dass jetzt etwas Großes geschehen würde – und dass ich bereit dazu war.

Mit zittrigen Händen wickelte ich das weiße Papier auf, Runde um Runde. Ich weinte, denn ich heilte. Ich erinnerte mich an die zwei Körper, die ich in weiße Tücher und Gewänder eingewickelt habe, um sie auf ihre letzte Körperreise zu schicken. Gestern dann das Gegenteil. Mit jeder Handbewegung durfte ich einen Körper auswickeln, damit er kommt, statt geht. Einige Umdrehungen und Momente später hielt ich in ihn den Händen: Shiva.

Ein Geschenk an meinem Geburtstagsabend – von Julian und dem Mann aus Rishikesh. Nun gibt es ihn, einen Platz für Julian in meinem Leben, der weder von dieser noch von der anderen Welt ist – sondern beides. Und ich kann ein Stück mehr loslassen und Julian, so glaube ich, auch. Er hat seine letzte Aufgabe mit mir erfüllt.

Ich danke aus tiefstem Herzen dem Gesang des Ganges und dem Mann aus Rishikesh für ihre Liebe, mich zu führen durch eine Zeit, die niemand alleine gehen kann.

Dhanyavad, Prem & Om.

Katharina

1 Kommentar »

  1. Liebe Katharina,

    dies ist ein bewegender und authentischer Blog.
    Ich bin sehr beeindruckt.

    Ganzherzige Gruesse
    Maria Ma

    Kommentar by Maria Ma — 3. Februar 2014 @ 1391425985GMT+0000C

RSS feed for comments on this post.

Leave a comment

Powered by WordPress