JUST A DIARY Katharina Middendorf’s Blog

17. Mai 2013

Beginning.

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Nach Wochen des unfassbaren Schmerzes, eine Woche seltsamer Ekstase. Plötzlich war das Wort Abschied in meinem Kopf verschwunden. Ersetzt durch das Wort Beginn. Julian: Everything that has a beginning has an end. Katharina: Everything that has a beginning has an end has a beginning. Ich war skeptisch, aber gab mich dieser Schmerz-Pause hin.

Eine Woche oder fast 10 Tage schien alles voller kindlicher Freude auf die Entdeckung alles offenstehenden. Ein Durst alles zu erkennen, ALLES zu sehen. Dieser Durst trieb mich bis gestern durch die Tage. Ich verschlang 1000 Bücher, sog jedes Wort über alles auf: Tod, Liebe, Bewusstsein, Sex, Krebs, Gewalt … Alles! Ein vertrautes Gefühl – Julian und ich waren zu Beginn unserer Reise oft in diesem Taumel. Konnten nicht genug bekommen, von all dem was uns erwartete. Waren von Wundern umgeben. In einem Wechsel von Fastforward und Slow Motion rannten bzw. staunten wir durchs Leben.

Und gestern und heute dann die Ernüchterung wie nach einer durchtanzten Nacht. Er bleibt weg. Und kein Beginn auf der Welt kann daran etwas ändern. Ich höre Adele: „we almost had it all.“ und tanze und weine und spüre dass die zarte Pflanze meiner Selbst müde ist von dem Taumel der letzten Tage und jetzt erstmal wieder unter den Glassturz möchte, den Julian mir immer bereitgestellt hat und Stille nannte.

Das war unser zarter Beginning, Frühjahr 2008.

2 Comments »

  1. Liebe Katharina,
    Jedes mal wenn ich von dir lese, bin ich so gerührt, dass mir die Worte fehlen. Ich danke dir für deine Offenheit und deinen Mut. Und ich bewundere dich für deine Stärke und Tapferkeit.
    Alles alles Gute,
    Lena

    Kommentar by Lena Ehlers — 22. Mai 2013 @ 1369231674GMT+0000C

  2. Liebe Katharina!
    Vor einiger Zeit war ich bei Julian und Dir in eurem Haus in Zehlendorf bei einer Arbeitsgruppe. Du warst damals gerade mit eurem 3. Kind schwanger. Ich war so erstaunt über euch und euer schönes Umfeld und hatte den Eindruck, in ein kleines Paradies hinein zu schauen. Aber dann erzählte mir Julian vom Tod eures kleinen Sohnes, und damit war klar: Nein, auch ihr seid nicht mehr im Paradies, sondern müsst sehr große Lernaufgaben bewältigen.
    Wir haben uns danach nicht mehr wiedergesehen. Als ich Anfang Mai in der Sein den Nachruf auf Julian las, war ich fassungslos. DER Julian? Dieser glückliche, wunderbare, freundliche, spirituelle Mensch hat die Seite seiner geliebten, zauberhaften Frau verlassen müssen? Da ich mich sehr intensiv mit Heilung und damit zusammenhängend mit der Frage beschäftige, welche Botschaften Krankheiten für uns haben, und da mich das mit Julian gar nicht losgelassen hat, habe ich schließlich Kontakt mit „seinem“ Krebs aufgenommen und ihn gefragt: „Was wolltest du Julian denn beibringen, was er nicht verstehen konnte“? Die Antwort kam so direkt und klar, dass ich total überrascht war: „Ich wollte ihm die Erfahrung von Unbegrenztheit schenken.“
    Von dieser Antwort war ich sehr berührt. Ich weiß inzwischen, dass unsere Krankheiten unsere besten Freunde sind, die alles dran setzen, uns wichtige Erfahrungen und Erkenntnisse zu vermitteln, und die aus Liebe zu uns auch vor dem letzten Schritt – dem Tod – nicht halt machen – weil wir und unsere Entwicklung ihnen so am Herzen liegen.
    (Ich kenne es, dass die Krankheiten Lebender klar Auskunft geben, aber es war mein 1. Versuch, eine Krankheit von jemandem zu befragen, der schon gegangen ist. Ich habe dann noch gefragt, ob es wichtig für dich sei, dass ich dir das mitteile, und die Antwort war „ja“. Deshalb erzähle ich es dir.)
    Gerade habe ich nun in deinem blog den „beginning“ gelesen und dein Bedürfnis, „jetzt erstmal wieder unter den Glassturz zu gehen, den Julian mir immer bereitgestellt hat und Stille nannte“.
    Ja, Stille ist ein wunderbarer Raum zum Luftholen, zum Zu-sich-kommen, zum Frieden-finden. Du kannst ihn als „Glassturz“ sehen – du kannst es aber auch anders herum betrachten: Die Stille ist das weite Feld, in dem wir eigentlich zuhause sind; in das alles, was ist, eingebettet ist; in dem wir leben und geborgen sein können – und die „Glasstürze“ sind jene Momente, in denen wir uns abtrennen von der Unbegrenztheit, weil wir in einer begrenzten Erfahrung versinken (wollen)…
    Vielleicht ist das die Unbegrenztheit, die Julian geschenkt werden sollte – und geschenkt worden ist?
    Liebe Katharina, ich grüße dich sehr herzlich – ich habe großen Respekt vor deiner Ehrlichkeit, deinem Mut und deiner Kraft und wünsche dir ganz ganz viel Licht!
    Annette

    Kommentar by Annette — 29. Mai 2013 @ 1369818904GMT+0000C

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