JUST A DIARY Katharina Middendorf’s Blog

23. August 2009

Incredible India

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So lautet Indien´s Werbeslogan. Und ja: Indien ist tatsächlich unglaublich. Manchmal sogar unbelievable, so wie vorgestern in Delhi.

Trotz ihrer manchmal ohrenbetäubenden Präsenz, ist unser 9 1/2 Wochen junges Baby Lea offiziell noch inexistent. Sie muß zunächst in Deutschland eingebürgert werden, um dann aus Indien ausreisen zu dürfen. Den Pass gibt es in der Deutschen Botschaft und das Exit-Visa im FRRO (Foreigner Registration Office). Beides in Delhi. Und das heisst:  es wird ein langer Tag. Denn was Bürokratie angeht, ist Indien schon lange kein Schwellenland mehr, sondern den Deutschen haushoch überlegen….

9.30 Deutsche Botschaft Delhi. Zu Gast bei Freunden. Hier geht alles Ratzfatz. Simsalabim zaubert unsere Bürokratiefee Frau D. aus D. einen schicken, kleinen Kinder-Reisepass aus dem Ärmel. Lea ist damit offizieller, deutscher Erdenbürger.

Wow, denken wir. Jetzt nur noch schnell ins FRRO. Nur noch? Schnell? Haben wir denn in den 1,5 Jahren Indien nichts gelernt? Aus „Nur Noch“ werden sieben und aus „schnell“ zähe Stunden …

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10.30 FRRO Delhi. Wir sehen vor lauter Menschen wenig. Was wir jedoch sehen ist, dass ein Ende der Menschenschlange nicht zu sehen ist. Und plötzlich fällt uns doch wieder ein, was wir in Indien so alles gelernt haben… Drängeln! Lautlos und schnell schieben wir uns vorbei an den Foreigners in Reih und Glied.

Bringt aber nix. Denn man guckt weder den offiziellen Letterpad der deutschen Botschaft noch uns so richtig an. Ministry of Home Affairs, lautet das Schlüsselwort. Da sollen wir hin. Warum? Um dann wieder zurückzukommen.

Scheiße, denken wir. Das ist arschweit weg. Der Tag nicht mehr lang. Morgen Wochenende. Und Sonntag Nacht unser Flug. Zum Glück versteht das unser Taxi-Fahrer sofort und schiesst los …

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11.30 Ministry of Home Affairs. Antrag ausfüllen. Fotokopien machen. Anmelden. Warten. So das normale Prozedere. Ausfüllen machen wir. Fotokopien auch. Aber für Anmelden und Warten haben wir nun wirklich keine Zeit. Da hier aber keine Menschenschlange steht, die man einfach überholen kann, sondern alles nach Nummern geht, sind wir einen kurzen Moment ratlos. Doch da kommt uns unsere schlaue Tochter zur Hilfe und brüllt… Vor Erschöpfung heule ich mit. Das wirkt.

Statt wir zu ihm, kommt der indische Deutschlandzuständige zu uns. Fordert noch mehr Kopien. Schaut ängstlich zur nun entschärften Baby-Schrei-Bombe, fertigt ein Formular an und schickt uns zu seinem Vorgesetzten, der den Stempel hat. Leider hat der nicht nur den Stempel. sondern auch Pause. Also doch warten. Bis wir einen versiegelten Umschlag überreicht bekommen.

Hmmm, denken wir. Was da wohl drinsteht? Wahrscheinlich: The Visa goes to….

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13.00 FRRO Delhi. Die Schlange ist nun ein wenig kürzer, dafür dicker, weil nun alle Foreigners (sogar die diskreten Japaner) verstanden haben, dass man in Indien ohne Drängeln nicht weiterkommt. Ich bleibe diesmal im Auto. Allerdings nicht lange. Weil man das Baby nochmal sehen will. Wieder Fotokopien. Wieder ein neues Formular. Und wieder die Ansage wiederzukommen. Um 16.00Uhr.

ARRRGGHHH, denken wir. Hört denn dieser Tag nie auf?

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16.00 FRRO Delhi. Schalter 3. Wir haben das Visa. Jetzt nur noch zum Schalter 5. Für die Unterschrift. Und wieder der Denkfehler mit dem Nur noch. Denn erst müssen wir nur noch zum Cash Counter. Bezahlt. Und wieder zum Schalter 5. YES!!! We did it. Lea darf raus. Und wir nun endlich auch.

Puhhhhh, denken wir. Schnell nachhause. In saubere und sichere Hotel.

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20.00Uhr Luytchens Bungalow. Aus schnell wird dann nichts, weil wir noch Einkaufen müssen. Und zwar in der Rush-Hour. Und bei einem erneuten Gastauftritt des Monsuns. Mit Windeln, einer neuen Jeans und Sandwiches im Gepäck jagen wir durch die nassen Strassen Delhis zurück zum Hotel. Die Besitzerin kommt uns schon am Tor entgegen. Es sei ein wenig Wasser in unserem Zimmer gewesen. Man sei vom Regen überrascht worden. Aber nun sei das Zimmer wieder trocken. Ja, das stimmt. Das Zimmer ist trocken. Leider sind unsere gesamten Festplatten nass, da die Putzfrau genau diesen Koffer vom sicheren Bett auf den Boden gestellt hat…

Was wir jetzt denken? Nicht mehr viel. Außer: Incredible India.

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