JUST A DIARY Katharina Middendorf’s Blog

20. März 2009

So far, und endlich auch so good!

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Heute ist der 19.März 2009. Vor 14 Tagen sind wir in Delhi gelandet. Was mir der Kalender als 2 Wochen verkaufen will, sind nach meiner gefühlten Zeitrechnung eher 2 Jahre…

BERLIN-TEGEL
Check-In. Verabschiedungsszenen vom Feinsten. Ein letztes Mal Starbucks – um die zuckersüße Illusion runterzuschlucken, dass mir Latte Macchiato in den nächsten 6 Monaten tatsächlich fehlen könnte.

LONDON, TERMINAL 5
Irrwitziges Shopping-Eldorado. Wahnwitzige Sicherheitskontrollen.

BRITISH AIRWAYS
Jetzt haben wir schon extra nicht Air France gebucht, und trotzdem: wir sind umzingelt von Franzosen, die noch ehe die Anschnallzeichen überhaupt angegangen sind, eifrig erörtern, wie sie die übrigen leeren Reihen untereinander aufteilen. Aber das laissez-faire über den Wolken ist uns vergönnt, denn Julian träumt nicht nur von den unbegrenzten Möglichkeiten der Vierer-Mittelreihe, sondern setzt sich direkt da hin. Der nasale Protest stört ihn dabei nicht im geringsten. Stattdessen genießt er die neue Großzügigkeit, zuckt mit den Achseln und wiederholt sein neues stolzes Vatermantra: „My wife is pregnant.“ Ätsch et voilà!

DELHI
Ein glatter Durchmarsch. Von der Passkontrolle übers Gepäckband bis … zum PrePaid Taxi. Das fährt uns zunächst ins falsche Hotel der fruchtig-frischen Lemontreehotel-Kette. Macht aber nichts, denn das richtige Hotel ist nur 2 Kilometer entfernt. Interessante Standortstrategie, zumal beide Hotels nicht gerade ausbucht sind. Die nächsten 24 Stunden erlebe ich im Traummodus. Erst der Narkoseschlaf im Einzelzimmer, dann Jetlag-Dösen im verrauchten Doppelzimmer, Mitternachtsyoga zwischen Laufband und Hantelbank und zwischendurch immer wieder Lemonjuice…
Am nächsten Morgen befreit uns unser Fahrer aus der Limonenhölle. Hari hat schon des öfteren Norbert Blüm durch Delhi kutschiert. Das wird er auch nicht müde, uns jedesmal wieder zu erzählen. Ansonsten ist er aber für einen indischen Taxifahrer sehr ruhig. Deswegen gilt ihm auch unser erster Anruf, wenn wir in Delhi sind. Eigentlich wollen wir den Tag als Sightseeing Touristen verbringen, werden dann aber selbst zu Sehenswürdigkeiten: wildfremde Inder wollen lieber mit uns, als mit dem Tempel aufs Bild. Am Abend fahren wir zum Bahnhof. Umsonst. Denn keine unserer 3 Buchungen wurde bestätigt. Na klar, es ist mal wieder Feiertag. Wie immer, wenn die Middendorfs reisen. Also noch eine Nacht Delhi. Und dann zum Flughafen. Sicher ist sicher.

UDAIPUR AIRPORT
Wüste. Wow. Volltreffer.

UDAIPUR PAMPA
Diesmal kann uns der Prepaid-Taxifahrer gar nicht erst ins falsche Hotel fahren, da sein Auto gar nicht soweit kommt. Mitten in der Pampa geht der dampfende, völlig überhitzte Motor aus. Die nächste halbe Stunden verbringen wir in der Mittagshitze, während unser Fahrer flaschenweise Wasser in den Kühler giesst. Ich habe Glück, und die indischen Dorfjungs zeigen mir ihr Allerheiligstes: den Garten. Das Grünereignis ist leicht zu übersehen; Rasen ist so groß wie meine Yogamatte …

UDAIPUR STADT, I.
Das Venedig Indiens. Hmmh, Gräben und Brücken sind ja da. Aber wo ist das Wasser? Statt Fische sind Elefanten im trockenen Seebett und suchen Schatten unter den Brücken. Auf dem Boden der ausgedörrten Riesenmulde sitzt eine Gruppe Inder und spielt Karten. Schön! An der Uferpromenade hängen erschöpfte Touristen in weißen Plastikstühlen, trinken Coca Cola mit Strohhalm und lassen sich von den stinkenden Rikshas eindampfen. Schrecklich! Wir bleiben nur eine Nacht.

UDAIPUR BERG
Wir siedeln zu einer abgelegenen Burg eines aristokratischen Briten. Der Plan: Entschleunigen, um dann Vollgas zu geben. Leider geht der aber nicht ganz auf, denn hier auf Burg Britannia herrscht Handbremsenstimmung. Und: feudaler Gemeinschaftszwang mit familärem Breakfast, Lunch und Dinner. Ich fühle mich unter den hier residierenden Wohlstandstouristen wie ein pubertierender Teenager, der immerzu auf die Uhr schaut, wann er die langweilige Runde endlich verlassen darf. Ich werde krank. Trotz Toilette Western Style und Filterwasser nach Reinheitsgebot. Wir bleiben 7 Nächte.

UDAIPUR STADT, II.
Dreamheaven. Klingt zu schön, um wahr zu sein. Ist es auch. Wir können uns nicht entscheiden, was schlimmer riecht. Unser „Bad“ oder der Kanalisationsgeruch von draußen. Doch hier können wir wenigstens wieder frei entscheiden, wann wir essen, wo wir essen und mit wem wir reden. Und plötzlich ist alles ganz einfach. Wir kaufen ein Motorrad, mieten ein Haus, finden eine Ärztin, haben mobiles Internet, bestellen eine Waschmaschine und sind nun bereit nachhause zu gehen…

UDAIPUR ZUHAUSE
Jetzt sitze ich in unserem Marmorhaus, auf den Hügeln der Stadt und fühle mich wie im alten Rom. Die Wäsche weht vor den Fenstern, die Mosquitos knallen gegen die Fenstergitter und ich blicke in gebürtigem 2 km weitem Abstand auf die Skyline von Udaipur-City und sehe zum ersten Mal das sagenumwobene Taj Hotel, im bzw. auf dem Grunde des Pichola Lake… Hier werden wir bleiben…

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