JUST A DIARY Katharina Middendorf’s Blog

16. November 2008

Weils gut ankommt …

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28.07. (Kudamm, Friedrichstraße und Karl-Marx-Straße Berlin)3 Menschen rennen durch Berlin und besorgen Nasenduschen, Naschsachen, andere Nützlichkeiten und: eine Bibel. 24 später macht sich made in Germany auf zu Höherem: ins Himalaya….

28.08. (Postamt in Leh)Das ladakhsche Postamt ist wie leergefegt. Wie eine Fabrikhalle, in der kurz zuvor noch eine Scheinfirma ansässig war und deren Kulissen über Nacht abgebaut wurden. Die vermeintlichen Inhaber, in dem Fall die indischen Postbeamten, sind allerdings noch nicht über alle Berge (ist im Himalaja ja auch nicht so einfach), sondern sitzen Chai schlürfend und auch sonst recht schluffig in der Ecke. Wir kommen gerade von unserer Hochzeit. Stehen wie zwei Außerirdische in dem 20er Jahre Filmszenario und fragen nach unserem Paket. „Look, “ der indische Oberpostbeamte deutet auf die leeren qm, „we don´t receive any packages at the moment. There are turmoils in Srinagar and Jammu. Try next week“.01.09. – 29.09 (Zuhause in Leh)Jeden Morgen um 10.00Uhr drücken wir die Wahlwiederholung:“Juley. I was wondering if our parcel arrived.““No parcels, mam, try tomorrow or next week. Juley“29.09. (Postamt in Leh)Als wir bei der Post eintreffen, sieht es so aus, als wäre die Scheinfirma in der Zwischenzeit zurückgekehrt und expandiert. Die leere Fabrikhalle ist zum Schlachtfeld geworden. Als hätte eine Bombe eingeschlagen oder der Rosinenbomber eine Jahresration Care-Pakete abgeworfen. „Just have a look, if your parcel arrived.“, grinst der Postmaster euphorisch. Das Chai-Abo der letzten Rumhäng-Wochen scheint seinen Schwarzteeanteil entfaltet und der Besatzung einen deutlichen Push versetzt zu haben. Julian und ich stapfen durch Briefberge und Paketburgen, wühlen in zerfledderten Umschlägen und zerrissenen Pappschachteln. Nichts. Entweder kann man Nasenduschen und Bibeln in Kriegsgebieten gut gebrauchen oder wir müssen einfach auf die nächste Lieferung warten. Gewartet haben wir allerdings lange genug und außerdem werden wir In 24 Stunden bereits in Delhi sein. Statt also zu warten, bitten wir die Chai-Crew um Weiterleitung.18.10. (General Post Office Delhi)“This is the wrong GPO. This is New Delhi. You go to Old Delhi.“Ne, wir gehen jetzt nicht nach Old-Delhi, sondern zu Indira Gandhi, Terminal 2, wo uns unser Flug nach Bangalore erwartet. Irgendwo im Stau zwischen GPO und Airport ruft Julian unsere himalesischen Postfreunde an, um das Delhi-Alt-Neu-Ding zu klären. Auf 3500Meter scheint inzwischen wieder die Lethargie eingesetzt zu haben. Was uns zu gute kommt, denn die Jungs haben unser Paket in der Zwischenzeit zwar erhalten, aber noch nicht weitergeleitet. Und weil die im Himalaja so genügsam sind, geben wir einfach telefonisch eine neue Adresse durch. Ohne Identitätsnachweis, ohne schriftliche Anfrage, ohne Bestechungsgeld. Einfach so. Endlich mal einfach.28.10. (Yogaschule in Mysore)“Did our parcel arrive?““No. No parcel.“Wir wollen gerade gehen, als Julian in der Ecke einen zerfetzten Karton mit deutschem Absender sieht.“And what is that?““Oh, nothing, that was trash. It arrived yesterday. But there was nothing inside. Exept one Netipot (Nasendusche) and a lot of papers…“Julian und ich stürmen auf das Paket zu. Und tatsächlich der Aufkleber gibt unserer Vermutung recht: Katharina Hage. Der Yogalehrer wird leicht unruhig. Je mehr Fragen wir stellen à la „Did you open it?“, „There was nothing more inside?“, „And why is the chocolate gone, while the chocolate paper is still there.“ etc., desto mehr neue Infos und bekannte Geschenke kommen zu Tage. Sein Angestellter bringt nach und nach eine Bibel, ein T-Shirt, ein Buch, eine Nasendusche und Kulimienen aus der Hinterkammer.  „Anything missing?“ fragt der Yogalehrer, dessen indische braune Haut nun leicht gerötet ist. „Yes. Two dresses. And a manicure-set. “ Also die zwei teuersten Sachen. Wir sollen in zwei Tagen nochmal wiederkommen. Vielleicht tauche ja nochwas auf…30.10. (Yogaschule in Mysore)Widererwarten (!) ist in der Zwischenzeit nix aufgetaucht. Entweder trägt die Frau des Yogalehrers  nun zwei neue Kleider und French Manicure oder eine Kriegsgattin in Jammu oder Scrinagar hat ein wenig westlichen Glamour abbekommen. Naja. Hauptsache die Bibel ist da.Amen.

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