JUST A DIARY Katharina Middendorf’s Blog

4. Juni 2008

Alltag eines Aussteigers …

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Ja, auch Aussteiger haben einen Alltag. Und meiner sieht ungefähr so aus:

04.00
Der Wecker klingelt. Allerdings überflüssigerweiser, da ich eh schon wach bin
und zusammen mit den Mosquitos mein Morgenmantra sumsumsumme.

04.10
Ich gehe ins Bad. Allerdings nicht ohne vorher Kehrblech, Plastiktüte, Besen und einen Birkenstock einzupacken. ????? Ganz einfach: Für das fachmännische Entfernen der auf dem Rücken liegenden Kakerlaken. Wir haben da eine sehr effektive und irgendwie auch recht abgebrühte Methode entwickelt: Einer hält das Kehrblech, der andere fegt das zappelnde Teil aufs Blech, wartet bis es in der Tüte verschwunden ist und setzt dann zu einem gezielten Fusstritt an…
Zeitpunkt des Todes: 04.15 bis 4.17 (wir sind da schnell…)

05.00
Das Blut an meinen Händen habe ich in der Zwischenzeit abgewaschen, so dass ich ohne Bedenken,
die weiße Mac-Tastatur benutzen kann. Ich fange an zu arbeiten. Im Hintergrund das einsetzende,
leicht leierige Rauschen der Tempelmusik.

07.00
Kaffeepause. Zum Glück habe ich zur Abwechslung mal auf meine Freunde gehört,
und meine Cafetiera eingepackt.

07.10
Back to the Mac.

09.30
Ab jetzt fährt der Alltag abwechslungsreich zweigleisig: Entweder ich fahre (A) zum Tanzen bzw. Trampeln (Das Basic-Repertoire von Bharatha Natyam besteht nämlich darin, wie ein Hampelmännchen breitbeinig und auswärtsgedreht in der Hocke zu stehen und wie Rumpelstilzchen mit den Füßen auf den Boden zu stampfen, abwechselnd: links rechts. Manchmal auch links links rechts oder rechts rechts links) oder ich habe (B) Yoga-Unterricht.

12.00
Mittag. Ich frühstücke.

13.00
Besorgungen. Die laufen hier nicht einfach nebenbei. „Mal eben“ gibt es nicht. Und zwischendurch schon gar nicht. Jede Besorgung ist tages(er)füllend. Zum Beispiel, sich ein Kleid nähen zu lassen, wie gestern: Ich fahre mit dem Motorrad in die Stadt. Verfahre mich ein wenig. Komme dann aber an. Gehe zum Schneider. Erfahre, dass der keinen Stoff hat. Folge seinem Tip und gehe in den genannten Laden. Hier gibt es aber nur fertig zusammengestellte Kombinationen und keine Rollenware. Also gehe ich ins nächste Stoff-ElDorado. Frage mich vom EG (Polyester) bis zum 3. OG (Baumwolle) durch. Und das dauert. Denn das Leitsystem ist in Malayalam und das Shop-System folgt indischer Logik. Nach einer weiteren Stunde werde ich fündig. Zurück zum Schneider. Maße nehmen. Vogue-Zeitungsauschnitt zeigen. Erklären, was ich will. Nach einer halben Stunde merke ich, dass man zwar mit dem Kopf wackelt, mich aber gar nicht versteht. Das merkt auch einer der herumstehenden Inder und fängt an zu übersetzen. Also nochmal von vorne.
Klitschnass aber happy fahre ich nachhause. Es ist inzwischen fast vier.

16.00
Wieder Mittag. Wir kochen Abendessen.

17.00
Jetzt gibt es viele Optionen: Strand – was meistens ins Wasser fällt, Yoga – wenn ich morgens tanzen war, arbeiten – wenn ich viel zu tun habe, schreiben – wenn mir was einfällt, lesen – wenn mir nix zu schreiben einfällt, obst kaufen – wenn ich wieder alle Äpfel aufgegessen habe …

19.30
Zur „Junction“ fahren (diesen Titel erhält hier jede noch so kleine Straßengabelung),
um dort einen Milchshake oder Mangojuice zu trinken, mhhhhhh.

20.00
„Lost“ gucken und mich dabei freuen, dass es den I-Tunes Store gibt.

21.00
Dem einsetzenden Regen zuschauen. Die angenehme Kühle spüren. Die Ruhe auf den Straßen hören.

22.00
Der Tag ist vorbei.

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