JUST A DIARY Katharina Middendorf’s Blog

28. Mai 2008

StepbyStep zu den ersten Tanzschritten …

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Meine erste Tanzstunde beginnt damit, dass sie gar nicht erst anfängt.

Vom abendlichen „we go tomorrow morning“ über ein morgendliches „we will see the teacher this afternoon“ bis zum nachmittaglichen „we will see if we can meet her today. I call you.“ Jaja. Das mit dem Anrufen ist so eine Sache. Es callte dann nämlich erst mal zwei Tage keiner. Doch dann: „Tomorrow we can go. 9.30 I´ll pick you up“. Super.

Meine zweite Tanzstunde beginnt auf einem weißen Plastikstuhl. Mit Warten.

Aus 9.30 wird 10.45. Joti* biegt in Seelenruhe aber mit wehendem Schal auf ihrem Scooter in die Einfahrt. „Little late. Sorry. Now we can go. I show you the way. So you can go also.“ Kein Problem. Bis zu dem Teil mit dem „you also“ . Also, Trivandrum ist nämlich eine städtebauliche Katastrophe. Nicht mal Rikshafahrer, Pizzaservice oder Postboten kennen sich hier aus. Mein scheinbar optimistisches „Yeees, I try.“ löste sich bereits nach 2 Minuten, 3 Kurven, 6 Kreuzungen, 4 Abbiegungen später in ein zaghaftes, leicht aufgeschmissenes „Hmmh, left, right, right, left, right…, right?“. „You can also go by mainroad. I show you tomorrow.“ Ja, bitte! Unbedingt. PUH! Main Road. Klingt gut.

Meine zweite Tanzstunde beginnt dann doch nicht.

Und das liegt nicht etwa daran, dass Joti und ich fast zwei Stunden zu spät sind. Sondern daran, dass die Begrüßungszeremonie bereits eine Stunde dauert. Der kleine private Tanztempel befindet sich nämlich hinter dem Wohnhaus. Und da müssen wir dann erstmal durch. Aus den vielen kleinen Zimmern tauchen nacheinander die Lehrerin, ihre kleine Schwester, der große Bruder, die Mama, der Papa, die Oma, die Nachbarin, das Baby und drei pubertierende Schülerinnen auf. Nachdem alle gängigen Fragen wie Name? Country? Kerala nice? How long in Trivandrum? beantwortet sind und der Begrüßungsstrom langsam abbricht erfahre ich, dass der Unterricht erst morgen beginnt. Joti scheint das gewusst zu haben. Schade nur, dass sie mir das nicht gesagt hat, bevor ich meinen Kleiderschrank nach (un)möglichen Tanzdresses durchstöbert habe. „We just say goodbye, then we go.“ Und dann läuft alles nochmal rückwärts ab: aus dem großen Hallo wird ein noch größeres ByeBye. Bis Morgen.

Am nächsten Tag beginnt dann tatsächlich meine dritte erste Tanzstunde.
Mit dem klassischsten aller indischen Tänze: Bharatha Natyam.

(*Eigentlich ist Joti einfach unsere Vermieterin. Aber eigentlich ist Joti alles in einem.
Stünde „Joti“ im Lexikon, würde da stehen: Joti, der/die/das: Alleswisser. Weiterhelfer. Vereinfacher.
Eigentlich bräuchte jeder Mensch einen oder eine Joti. Zum Glück haben wir hier eine gefunden.)

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